20.

Jun

Berufe im Tourismus: Der Unsichtbare

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Und hier geht es weiter mit der kleinen Serie über Berufe im Tourismus. Auf den ersten Blick hat die Arbeit von Bühnentechniker Simon Rué nichts Touristisches. Auf den zweiten eine ganze Menge: Er zaubert Märchenwelten und nimmt die Menschen mit auf Reisen.

„Achtung, zweiter Akt, da müssen die Spiegel auf den Säulen nach vorne“, koordiniert Simon Rué bei einer Probe im Festspielhaus Neuschwanstein das Geschehen. Ohne den Bühnentechniker und seine Kollegen würde keine einzige Show laufen. Eigentlich wollte der Pfrontener Dolmetscher und Übersetzer werden und studierte in Kempten. Nebenbei jobbte er als Pförtner im Musicaltheater in Füssen. Über Umwege landete er im Ensemble und bald darauf in der Bühnentechnik – und wechselte dann zwischen allen drei Aufgaben hin und her. Als er sein Studium beendet hatte, blieb er im Festspielhaus und ist mit Mitte zwanzig mittlerweile sogar der dienstälteste Bühnentechniker des Teams. „Ab dem Zeitpunkt, als ich das erste Mal ein Kostüm an hatte, war ich verliebt. Es ist der Zauber des Theaters, der mich festgehalten hat und nicht mehr loslässt“, erzählt Simon Rué. „Es ist ein großer Spielplatz und wenn die Arbeit zur Freude wird, dann ist es keine mehr.“

Hinter jeder Show steckt eine unsichtbare Welt. Was die Bühnentechniker machen, bekommt das Publikum idealerweise nicht mit. Das Bühnenbild umbauen, Darsteller bei Flugnummern sichern, spezielle Geräte und Lifte bedienen, für die es jeweils einen eigenen Führerschein braucht – Simon Rués Aufgaben sind breit gefächert. „Wir sind alle zusammen Schreiner, Schlosser, Modellbauer, Problemlöser, Ansprechpartner und Sicherheitsbeauftragte. Man muss schon technisch versiert sein und unter Druck arbeiten können, denn wenn zum Beispiel die Nebelmaschine ausfällt, müssen wir schnell eine Lösung finden.“ Bei Neuproduktionen wie aktuell der Zauberflöte übernimmt er die Koordination auf der Bühne und schreibt den Umbauplan dazu, damit die Show im Deutschen Theater in München auch mit einem komplett anderen Team laufen kann. Wie aus dem Nichts ein Musical einsteht, ist für Simon Rué besonders spannend. So war er bei „Zeppelin“ erstmals von Anfang bei der Umsetzung mit dabei. Sobald das Bühnenbild da ist, beginnt die Zusammenarbeit mit den Regisseuren. „Die haben eine unglaubliche Fantasie, aber nicht alles ist technisch machbar. Dafür sind wir dann da und schauen, ob wir etwas erfinden können, womit wir eine Idee umsetzen können.“
Da der Bühnentechniker auch schon selbst im Ensemble mitgespielt hat, kennt er auch die andere Seite und bringt bei den Proben gerne mal Vorschläge ein. Das Zwischenmenschliche ist ihm sehr wichtig. Er mag die familiäre Atmosphäre im Festspielhaus, jeder kennt jeden und kann sich auf den anderen verlassen. „Ich glaube, wir wollen alle das Gleiche: Eine unglaublich schöne Illusion zaubern, die lange nachwirkt, so dass die Menschen rausgehen und sagen: Das war toll! Beim Musical „Ludwig²“ stehen sie draußen dann sogar noch in der Originalkulisse des Königs. Wo sonst gibt es das? Das ist selbst für Einheimische etwas ganz Besonderes.“
Und auch in Simon Rué klingt jede Show nach dem Fall des Vorhangs noch nach – und so mancher Ohrwurm: „Die Lieder habe ich den ganzen Tag im Kopf. Und wenn ich nachts ins Bett gehe, höre ich das Arbeitsgeschehen und ich sehe die Bühne vor mir. Die Show bleibt bei einem.“

 

Zur Serie Berufe im Tourismus: Immer Urlaub? Natürlich haben das die Menschen nicht, die im Tourismus arbeiten. Aber sie sorgen dafür, dass sich Allgäuer Urlaubsgäste wohl fühlen, etwas erleben und unternehmen können. Sie sind also so nah dran am Urlaub wie keiner sonst. Ob als Hotelchefin, Koch oder Masseurin – die Unterkunftsbetriebe und Tourist-Informationen sind ein wichtiger Arbeitgeber. Aber auch viele andere Betriebe und Mitarbeiter arbeiten indirekt für den Tourismus, ob als Handwerker, Einzelhändler oder Hersteller regionaler Produkte. Als Journalistin habe ich mir einen Erlebnisraum des Allgäus, den Schlosspark, mal genauer angesehen und fünf Menschen aus der Region porträtiert, die ganz unterschiedliche Berührungen mit dem Tourismus haben und daraus eine kleine Serie gemacht. Übrigens verdienen im Schlosspark, der deckungsgleich mit dem Landkreis Ostallgäu ist, über 12.640 Menschen ihren Lebensunterhalt durch die touristische Nachfrage.

Bildnachweis: Tourismusverband Ostallgäu/Ingrid Yasha Rösner

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